Hinter dieser unscheinbaren Tür liegt einer der faszinierendsten Orte Neapels. Es ist die Grabkapelle der Familie Sangro, der Fürsten von Sansevero, begonnen 1593. Zur Legende aber machte sie Raimondo di Sangro (1710–1771), der siebte Fürst: Soldat, Schriftsteller, Freimaurer, Erfinder und leidenschaftlicher Hobbychemiker.
1Unmöglicher Marmor
Ab den 1740er-Jahren leitete Raimondo die Ausstattung der Kapelle persönlich. Bei Antonio Corradini gab er „Die Keuschheit“ in Auftrag, eine Frau unter einem durchsichtigen Schleier aus Marmor. Und als Corradini 1752 starb, wandte er sich für den Verhüllten Christus an Giuseppe Sanmartino, vollendet 1753: ein toter Christus unter einem Leichentuch, so fein, dass man meint, es anheben zu können.
Im Volk hieß es, der Fürst habe ein echtes Tuch mit seinen alchimistischen Künsten in Marmor verwandelt. Untersuchungen haben gezeigt, dass es gemeißelter Marmor ist.
2Die anatomischen Maschinen
In der Krypta stehen zwei Skelette, ein Mann und eine Frau, deren Blutgefäße in verblüffender Genauigkeit nachgebildet sind. Sie sind das Werk des Arztes Giuseppe Salerno aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Daraus entstand die düsterste aller Legenden: Raimondo habe zwei lebenden Dienern eine Substanz gespritzt, um ihre Adern zu versteinern. Dafür gibt es nicht den geringsten Beweis.
Man erzählte auch, er habe Sanmartino blenden lassen, damit er sein Meisterwerk nie wiederholen könne. Ebenfalls erfunden: Der Bildhauer arbeitete noch jahrzehntelang weiter.
3Worauf du achten solltest
- Das Wappen der Sangro über dem Portal.
- Die Enge der Gasse: Über ihr verlief einst eine Brücke, die die Kapelle mit dem Familienpalast verband, bis sie 1889 einstürzte.
Belegt
Die Kapelle wurde 1593 begonnen, und Raimondo di Sangro leitete ab den 1740er-Jahren ihre Ausstattung; der Verhüllte Christus stammt von Giuseppe Sanmartino (1753), die anatomischen Maschinen von Giuseppe Salerno.
Mündliche Überlieferung
Der durch Alchimie zu Marmor gewordene Schleier, die für die anatomischen Maschinen benutzten Diener und die Blendung Sanmartinos sind Volkslegenden.
Quellen und Nachweise
Museo Cappella Sansevero, offizielle Website; Benedetto Croce, «Storie e leggende napoletane» (1919); italienische Wikipedia, «Cappella Sansevero».
Fotos:
- Steinportal der Cappella Sansevero in einer engen Gasse der Altstadt: IlSistemone, CC BY-SA 3.0.
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