Vor dir steht das Hospital de la Santa Caridad, und gegenüber die Statue eines Mannes, der einen Kranken auf den Armen trägt. Das ist Miguel de Mañara, eine der faszinierendsten Gestalten des barocken Sevilla.

1Vom Edelmann zum Bruder der Caridad

Mañara wurde 1627 in Sevilla in eine sehr reiche Familie geboren. Seine Jugend beschrieb er selbst als ausschweifend und gewalttätig. Der Tod seiner Frau 1661 wurde zum Wendepunkt: Er zog sich zum Nachdenken zurück, und 1663 wurde er zum Vorsteher der Bruderschaft der Santa Caridad gewählt, die sich der Bestattung von Ertrunkenen und Hingerichteten widmete. Unter seiner Leitung baute die Bruderschaft ein Hospital für die Armen und vollendete die Kirche San Jorge, ausgeschmückt von Murillo und Valdés Leal.

2Der Schatten des Don Juan

Die Romantiker des 19. Jahrhunderts vermischten sein Leben mit dem Mythos des Don Juan, und die Überlieferung fügte unvergessliche Szenen hinzu, etwa die Nacht, in der Mañara angeblich seinem eigenen Leichenzug begegnete. Das sind literarische Erzählungen: Nichts deutet darauf hin, dass er den ursprünglichen Don Juan inspirierte, der älter ist als seine Bekehrung.

„Hier liegen die Gebeine und die Asche des schlechtesten Menschen, der je auf der Welt gelebt hat. Bittet Gott für ihn.“

Das ist die Grabinschrift, die sich Mañara selbst in seinem Testament wünschte, für ein Grab am Kircheneingang, auf das alle treten würden. Er starb 1679, und 1985 erklärte ihn die Kirche zum Ehrwürdigen.

3Worauf du achten solltest

  • Die Fliesenbilder an der Fassade.
  • Mañaras Statue mit dem Kranken auf den Armen.
  • Der nahe Fluss, aus dem die Bruderschaft die Ertrunkenen barg.
Denkmal für Miguel de Mañara, der einen Kranken auf den Armen trägt
Das Denkmal für Mañara, gegenüber dem Hospital, für das er sich einsetzte.

Belegt

Miguel de Mañara (1627–1679) leitete die Santa Caridad ab 1663 und bat in seinem Testament darum, am Kircheneingang unter einer Bußinschrift begraben zu werden.

Mündliche Überlieferung

Die Gleichsetzung Mañaras mit Don Juan und die Vision seines eigenen Begräbnisses sind literarische und volkstümliche Ausgestaltungen, keine belegten Tatsachen.

Quellen und Nachweise

Hermandad de la Santa Caridad de Sevilla, offizielle Website; Miguel de Mañara, „Discurso de la Verdad“ (1671); Real Academia de la Historia, Diccionario Biográfico Español („Miguel Mañara Vicentelo de Leca“).

Fotos:

  • Fassade der Kirche des Hospital de la Caridad mit ihren Fliesenbildern: José Luis Filpo, CC BY 2.0.
  • Denkmal für Miguel de Mañara, der einen Kranken auf den Armen trägt: Jl FilpoC, CC BY-SA 4.0.

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