Vor dir liegt das letzte sichtbare Stück der Mauer, die Shanghai mehr als drei Jahrhunderte lang umschloss. Die Straßen, über die du gekommen bist, Renmin Lu und Zhonghua Lu, folgen noch heute ihrem Verlauf: Zusammen bilden sie einen fast perfekten Kreis um die Altstadt.

1Eine Mauer gegen Piraten

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts griffen die Wokou, Piraten, die die chinesische Küste heimsuchten, Shanghai mehrmals an und steckten die Stadt sogar in Brand. 1553 nutzten die Bewohner eine Pause zwischen den Überfällen und errichteten in nur wenigen Monaten eine Mauer von etwa neun Li Umfang, gut vier Kilometern, mit sechs Toren. Später kamen weitere hinzu.

Nach der Revolution von 1911 galt die Mauer als Hindernis für Verkehr und Handel. Sie wurde zwischen 1912 und 1914 abgerissen, und über ihrem Graben entstanden die Alleen, die du heute siehst. Dieses Stück überlebte, weil es einen Tempel trug.

2Der Gott auf der Mauer

In der Wanli-Ära, Ende des 16. Jahrhunderts, wurde auf der Mauer ein Tempel für Guan Yu errichtet. Guan Yu war ein General des 3. Jahrhunderts, der zum Gott des Krieges und zum Beschützer des Handels wurde. 1815 baute man den Tempel als dreistöckigen Pavillon neu auf, und 1836 setzte man davor einen Bogen mit der Inschrift „Daqian shengjing“, von der Dajing seinen Namen hat.

Der Überlieferung nach wachte Guan Yu von hier aus über die Stadt, und die Kaufleute stiegen herauf, um ihn um Schutz für ihre Geschäfte und Reisen zu bitten.

Der Pavillon brannte mehrmals ab und wurde wieder aufgebaut. Seit 1995 ist er für Besucher geöffnet.

3Worauf du achten solltest

  • Die Zinnen der Mauer aus grauem Ziegel.
  • Die geschwungenen Traufen des Pavillons, mit Figuren an den Spitzen.
  • Der Kontrast zu den Wolkenkratzern ringsum.

Belegt

Die Mauer wurde 1553 gegen die Wokou errichtet und zwischen 1912 und 1914 abgerissen; der Guan-Yu-Tempel steht hier seit dem späten 16. Jahrhundert, der heutige Pavillon stammt aus späteren Wiederaufbauten.

Mündliche Überlieferung

Dass Guan Yu die Stadt beschützt, ist ein Volksglaube, keine historische Tatsache.

Quellen und Nachweise

Chinesische Wikipedia, „大境阁“ und „上海城墙“; Linda Cooke Johnson, „Shanghai: From Market Town to Treaty Port, 1074-1858“ (1995); Bezirksregierung Huangpu, geschütztes Kulturerbe.

Fotos:

  • Abschnitt einer grauen Zinnenmauer, darauf der Dajing-Pavillon: Legolas1024, CC BY-SA 3.0.

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