Du bist jetzt in Cannaregio, dem bevölkerungsreichsten der sechs Sestieri, der historischen Stadtviertel Venedigs. Schau dir den Backsteinpalast am Rio an, so heißen hier die kleineren Kanäle: Er hat einen Laubengang auf Höhe des Wassers und Gruppen von Bogenfenstern im byzantinischen Geschmack. Das ist der Palazzo Falier, und sein berühmtester Besitzer verlor den Kopf.
1Der Verräter-Doge
Marino Falier wurde 1354 zum Dogen gewählt, schon ein alter Mann nach einer langen Laufbahn im Dienst der Republik. Im Jahr darauf flog eine Verschwörung auf: Sie sollte die Macht der großen Patrizierfamilien brechen und ihn zum Herrn der Stadt machen, und er stand mittendrin. Der Rat der Zehn machte ihm den Prozess, und am 17. April 1355 wurde er im Dogenpalast enthauptet.
Ihn hinzurichten genügte Venedig nicht: Es wollte ihn auslöschen. Im Saal des Großen Rates, wo eine Bilderreihe die Dogen einen nach dem anderen zeigt, ersetzte man sein Porträt durch ein gemaltes schwarzes Tuch. Eine lateinische Inschrift markiert dort den Platz des Marino Falier, „enthauptet für seine Verbrechen“. Jahrhunderte später inspirierte seine Geschichte eine Tragödie von Byron (1821) und ein Gemälde von Delacroix.
2Die neue Straße
Die breite Straße, die dich hierhergeführt hat, die Strada Nova, ist für venezianische Verhältnisse jung: Sie wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durchgebrochen. Dafür riss man Häuser ab, um den Rialto mit dem Bahnhof zu verbinden. Deshalb heißt sie ausnahmsweise Strada und nicht Calle.
3Worauf du achten solltest
- Der Laubengang des Palazzo Falier, direkt am Wasser des Rio.
- Die gruppierten Bogenfenster im byzantinischen Stil.
- Der Glockenturm von Santi Apostoli, der den Campo überragt.
Belegt
Marino Falier, Doge ab 1354, wurde der Verschwörung gegen die Republik überführt und am 17. April 1355 enthauptet; sein Porträt im Saal des Großen Rates wurde durch ein schwarzes Tuch mit Inschrift ersetzt.
Quellen und Nachweise
Italienische Wikipedia, «Palazzo Falier (Cannaregio)» und «Marino Falier»; Frederic C. Lane, «Venice: A Maritime Republic» (Johns Hopkins, 1973); Fondazione Musei Civici di Venezia, Palazzo Ducale (Sala del Maggior Consiglio).
Fotos:
- Der Backsteinpalast Palazzo Falier mit seinem Laubengang am Campo Santi Apostoli: Didier Descouens, CC BY-SA 4.0.
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