Vor dir steht das berühmteste Wahrzeichen Brüssels, und fast jeder, der hier ankommt, sagt dasselbe: „Ist der aber klein!“ Er misst etwa einen halben Meter, und doch ranken sich um ihn mehr Geschichten als um so manchen Palast.
1Was wir wissen
Schon Mitte des 15. Jahrhunderts erwähnt ein Dokument über die Wasserleitungen der Stadt hier einen Brunnen mit einem kleinen Jungen. Die heutige Figur schuf der Bildhauer Jérôme Duquesnoy der Ältere 1619, kurz darauf wurde sie aufgestellt. Seit 1965 siehst du hier eine Kopie: Das Original wird im Museum der Stadt Brüssel aufbewahrt, im Maison du Roi an der Grand-Place.
2Der meistgestohlene Junge
1747 versuchten französische Soldaten, ihn mitzunehmen, und Ludwig XV. schenkte ihm zur Wiedergutmachung einen Edelmannsanzug. 1817 stahl ihn ein Wiederholungstäter, Antoine Licas, und die Statue tauchte in elf Stücke zerbrochen wieder auf. 1965 wurde er erneut gestohlen, nur die Füße blieben zurück. Heute umfasst seine Garderobe mehr als tausend Kostüme, und er wird nach einem offiziellen Kalender eingekleidet.
Keine der Geschichten über seinen Ursprung ist belegt: Es sind Legenden, und Brüssel hegt und pflegt jede einzelne.
3Die Legenden
Eine Geschichte erzählt, der Junge habe auf diese Weise die Lunte einer Bombe gelöscht und die Stadt gerettet. Eine andere behauptet, er sei der kleine Herzog Gottfried III., der 1142 während einer Schlacht in seiner Wiege an einer Eiche hing und seine Truppen anfeuerte, indem er auf den Feind pinkelte. Andere sprechen von einem verlorenen Kind oder einer rachsüchtigen Hexe.
4Worauf du achten solltest
- Die Größe der Figur, rund 55 cm.
- Die barocke Steinnische, die ihn einrahmt.
- Sein heutiges Outfit, falls er eines trägt.

Belegt
Seit dem 15. Jahrhundert gibt es hier einen Brunnen; die heutige Figur stammt von Jérôme Duquesnoy dem Älteren (1619), sie wurde 1817 und 1965 gestohlen, und das Original befindet sich im Museum der Stadt Brüssel.
Mündliche Überlieferung
Die gelöschte Lunte, Herzog Gottfried III. in seiner Wiege und die übrigen Geschichten über den Ursprung des Manneken Pis sind Legenden ohne urkundliche Grundlage.
Quellen und Nachweise
Stadt Brüssel, Brussels City Museum und GardeRobe MannekenPis (brusselscitymuseum.brussels); französische Wikipedia, „Manneken-Pis“; Inventaire du patrimoine architectural de la Région de Bruxelles-Capitale.
Fotos:
- Bronzestatue des Manneken Pis in seiner steinernen Nische: Myrabella, CC BY-SA 3.0.
- Das Manneken Pis in einem seiner Kostüme: Trougnouf (Benoit Brummer), CC BY 4.0.
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