Vor dir steht die älteste Herberge von Bukarest, die noch in Betrieb ist. Ein han war ein großer Bau rund um einen geschlossenen Hof: unten Läden und Lagerräume, oben Zimmer für die Kaufleute und ein einziges Tor, das nachts verriegelt wurde. Dieser hier entstand zwischen 1806 und 1808 für eine Gestalt wie aus einem Roman: Manuc Bei.

1Wer war Manuc?

Manuc Mârzaian wurde 1769 in Russe an der Donau in eine armenische Familie geboren. Er war Kaufmann, Dolmetscher im Dienst der Osmanen und, so die Dokumente, Agent des Russischen Reiches. Er war unermesslich reich. Seine Herberge hatte fünfzehn gewölbte Keller, dreiundzwanzig Läden und mehr als hundert Zimmer.

2Der Vertrag von 1812

1812 verhandelten Russen und Osmanen hier den Frieden, der ihren Krieg beendete. Der Frieden von Bukarest sprach Russland Bessarabien zu, das Land zwischen Pruth und Dnister, das zur Moldau gehört hatte. Manuc zog sich später auf seine Güter in Bessarabien zurück und starb 1817, den Quellen zufolge bei einem Unfall. Begraben wurde er in der armenischen Kirche von Chișinău.

Ein so reicher, so gut vernetzter und so verschwiegener Mann musste Gerüchte anziehen. Man erzählte sich, er habe zwischen Sultan und Zar ein doppeltes Spiel getrieben und sein Gold in den Kellern versteckt, und bei nächtlichen Führungen durch die Altstadt hörst du Geschichten von Schritten auf den Galerien. Nichts davon ist durch Dokumente gestützt.

Im 19. Jahrhundert wurde die Herberge zum Grand Hotel Dacia, mit Maskenbällen und Theater.

3Worauf du achten solltest

  • Die Holzgalerien im Obergeschoss.
  • Das mächtige Dach, das dem Gebäude seine Silhouette gibt.
  • Der Innenhof, meist vom Eingang des Restaurants aus zu sehen.

Belegt

Belegt sind der Bau zwischen 1806 und 1808, die Verhandlungen zum Frieden von Bukarest 1812, Manucs Tod 1817 und die Zeit der Herberge als Hotel Dacia.

Mündliche Überlieferung

Dass Manuc ein Doppelagent war, Gold in den Kellern versteckte oder sein Geist über die Galerien wandelt, sind Gerüchte und Volkserzählungen ohne Beweis.

Quellen und Nachweise

Rumänische Wikipedia, „Hanul lui Manuc“; Englische Wikipedia, „Manuc Bei“; George Potra, Din Bucureștii de ieri (Editura Științifică și Enciclopedică, 1990).

Fotos:

  • Weißes Gebäude des Hanul lui Manuc mit seinem großen dunklen Dach: sailko, CC BY-SA 3.0.

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