Vor dir steht eine ehemalige Methodistenkirche. Von außen wirkt sie bescheiden, doch drinnen bewahrt sie die Erinnerung an ein Viertel, das es nicht mehr gibt. Hinter dir, den Hang hinauf, lag District Six.
1Ein Viertel mit offenen Türen
Der Name stammt von seiner Nummer als Stadtbezirk. Nach der Abschaffung der Sklaverei in den 1830er-Jahren ließen sich hier befreite Sklaven nieder, dazu Handwerker, Fischer, Händler, jüdische Einwanderer aus Osteuropa, muslimische Familien vom Kap und Arbeiter der Xhosa. Mitte des 20. Jahrhunderts war es arm, laut und bunt gemischt, voller Jazz, Moscheen, Kirchen, Kinos und Eckläden.
211. Februar 1966
An diesem Tag erklärte die Apartheidregierung das Gebiet nach dem Group Areas Act zur „weißen“ Zone. 1968 begannen die Räumungen, und bis Anfang der 1980er-Jahre wurden mehr als 60.000 Menschen in die Cape Flats umgesiedelt, rund 25 Kilometer entfernt. Die Häuser wurden mit Bulldozern abgerissen. Nur die Gotteshäuser blieben stehen.
„Mit dem Erinnern wollen wir District Six nicht wiedererschaffen, sondern mit seiner Erinnerung arbeiten.“ So lautet das Leitwort des Museums.
Das Museum öffnete am 10. Dezember 1994, wenige Monate nach den ersten demokratischen Wahlen. Drinnen bedeckt eine riesige Karte des Viertels den Boden, auf der ehemalige Bewohner von Hand eingetragen haben, wo ihre Häuser standen. Dort hängen auch die originalen Straßenschilder: Einer der Versionen zufolge sollte ein Arbeiter der Stadt sie im Meer versenken und versteckte sie stattdessen jahrelang bei sich zu Hause.
3Worauf du achten solltest
- Die Fassade der alten Kirche, eines der wenigen Gebäude, die überlebt haben.
- Die Plakate in den Fenstern, die oft Veranstaltungen mit früheren Bewohnern ankündigen.
- Der leere Hang, den du siehst, wenn du nach Osten hinaufgehst: Das ist das alte Viertel.
Belegt
District Six wurde am 11. Februar 1966 zum weißen Gebiet erklärt, und mehr als 60.000 Menschen wurden zwangsweise umgesiedelt; das Museum öffnete am 10. Dezember 1994 in der alten Methodistenkirche in der Buitenkant Street.
Mündliche Überlieferung
Wer die Straßenschilder rettete, wird unterschiedlich erzählt: je nach Version ein städtischer Angestellter oder ein Bulldozerfahrer.
Quellen und Nachweise
District Six Museum (offizielle Website, „About the museum“); South African History Online (SAHO), „District Six“; Mail & Guardian, „An archaeology of memory“ (3. Februar 1995).
Fotos:
- Fassade der ehemaligen Methodistenkirche, in der sich das District Six Museum befindet: Discott, CC BY-SA 3.0.
Fehler entdeckt? Schreib uns und wir sehen es uns an.
