Vor dir steht eines der ältesten Gebäude Kapstadts und vielleicht das unbequemste. Seine elegante Fassade aus dem frühen 19. Jahrhundert verbirgt, was es mehr als hundert Jahre lang war: der Ort, an dem die Niederländische Ostindien-Kompanie ihre Sklaven einsperrte.
1Eine Kolonie, gebaut auf Sklaverei
Im März 1658 lief das Schiff Amersfoort in die Bucht ein, mit rund 170 Menschen an Bord, die man einem portugiesischen Sklavenschiff abgenommen hatte, die meisten aus Angola. Damit begannen fast zwei Jahrhunderte Sklaverei am Kap. Versklavte Menschen wurden aus Madagaskar, Mosambik, Indien, Sri Lanka und dem indonesischen Archipel hierher verschleppt. Ihre Sprachen, ihr Glaube und ihre Küche sind eine Wurzel der Kultur dieser Stadt.
Der Bau begann 1679. Es war ein einstöckiges Gebäude um einen Innenhof, gedacht für etwa 500 bis 600 Menschen, zeitweise lebten hier aber deutlich mehr. Besucher jener Zeit beschrieben die Enge, die Feuchtigkeit und den Mangel an Ruhe. Hier lebten die Sklaven der Kompanie selbst, die im Garten, im Hafen und bei öffentlichen Bauarbeiten schufteten.
„Vom menschlichen Unrecht zu den Menschenrechten“: So fasst das Museum heute seine Aufgabe zusammen.
2Vom Kerker zum Gerichtssaal
Nach der britischen Besetzung 1806 wurden die meisten Menschen, die hier lebten, verkauft, und in das Gebäude zogen Regierungsbüros ein. Später beherbergte es den Obersten Gerichtshof, eine Bibliothek, die Post und das Oberhaus des ersten Parlaments der Kolonie. 1998 erhielt es den Namen Slave Lodge zurück.
3Worauf du achten solltest
- Die klassizistische Fassade von Louis Michel Thibault, entstanden beim Umbau zu Büros.
- Die Reliefs von Anton Anreith im Giebelfeld.
- Die Mauern im Erdgeschoss: Zeitgenössischen Beschreibungen zufolge öffnete sich der ursprüngliche Bau kaum zur Straße, um Fluchten zu verhindern.
Belegt
Die VOC begann 1679 mit dem Bau der Lodge, um ihre Sklaven unterzubringen, und nutzte sie dafür bis ins frühe 19. Jahrhundert; seit 1998 ist sie das Museum Iziko Slave Lodge.
Quellen und Nachweise
Iziko Museums of South Africa, Seite zur Slave Lodge; Robert C.-H. Shell, „Children of Bondage“ (1994); South African History Online (SAHO), „Slave Lodge, Cape Colony“.
Fotos:
- Cremefarbene Fassade mit Giebelfeld der Iziko Slave Lodge: HelenOnline, CC BY-SA 4.0.
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