Vor dir liegt das Higashi Ōtemon, das große Osttor der Nijō-Burg. Dies war nie eine Festung, die Belagerungen standhalten sollte. Sie war etwas Feineres: die Residenz der Tokugawa-Shogune, wann immer sie nach Kyoto kamen, in die Stadt des Kaisers.
1Der Beginn einer Dynastie
1601 ließ Tokugawa Ieyasu die Fürsten Westjapans beim Bau mithelfen, und im März 1603 zog er als frisch ernannter Shogun ein. Sein Enkel Iemitsu erweiterte die Burg, um Kaiser Go-Mizunoo zu empfangen, der 1626 fünf Tage hier verbrachte. Für diesen Besuch wurde das Tor vor dir auf ein einziges Stockwerk gekürzt: Niemand durfte auf den Kaiser herabsehen. Der Turm wurde später wieder aufgebaut.
2Und das Ende
1750 setzte ein Blitz den Hauptturm in Brand, der nie wieder errichtet wurde. Der entscheidende Augenblick kam aber im Oktober 1867. Im Ninomaru-Palast verkündete Tokugawa Yoshinobu, der letzte Shogun, dass er die Macht an den Kaiser zurückgebe. Zweieinhalb Jahrhunderte Tokugawa-Herrschaft endeten in derselben Burg, in der sie begonnen hatten.
Nach der Meiji-Restauration fiel Nijō an das Kaiserliche Hofamt, das sie 1884 zu einer kaiserlichen Villa machte. 1939 wurde sie der Stadt übergeben, und seit 1994 gehört sie zum Weltkulturerbe.
Die Böden des Ninomaru-Palastes „singen“ wie Nachtigallen, wenn man darübergeht. Dass sie gebaut wurden, um Eindringlinge zu verraten, ist eine beliebte Erklärung, aber keine bewiesene Tatsache.
3Worauf du achten solltest
- Die schwarzen Eisenbeschläge an den Türen, mit kuppelförmigen Nieten.
- Die Steinmauer, ohne Mörtel aus von Hand eingepassten Blöcken errichtet.
- Der Wachturm an der Südostecke, entlang des Wassergrabens zu sehen.
Belegt
Die Burg wurde 1603 fertiggestellt, empfing 1626 den kaiserlichen Besuch, erlebte 1867 die Verkündung der Machtrückgabe und gehört seit 1994 zum Weltkulturerbe.
Mündliche Überlieferung
Dass die Nachtigallenböden als Alarmanlage gegen Eindringlinge entworfen wurden, ist eine beliebte Erklärung ohne schriftlichen Beleg.
Quellen und Nachweise
Stadt Kyoto, offizielle Website der Nijō-Burg (Moto-Rikyū Nijō-jō); UNESCO, „Historic Monuments of Ancient Kyoto“; Marius B. Jansen, „The Making of Modern Japan“ (2000).
Fotos:
- Das weiße Tor Higashi Ōtemon der Nijō-Burg über einer Steinmauer: Zairon, CC BY-SA 4.0.
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