Du bist im Mellah, dem alten Judenviertel von Marrakesch, nach dem von Fès dem zweitältesten Marokkos.
1Ein Viertel im Schatten des Sultans
Um 1557 bis 1558 siedelte der saadische Sultan Abdallah al-Ghalib die jüdische Bevölkerung der Medina hierher um, neben die Kasbah und unter den unmittelbaren Schutz des Herrschers. Auf dem Gelände, das sie verließen, in Mouassine, entstand eine große Moschee. Der Mellah wurde ummauert, und seine Tore wurden nachts verschlossen. Im 16. und 17. Jahrhundert war er auch ein lebhaftes Handelszentrum, in dem christliche Kaufleute und ausländische Gesandte wohnten.
Das Wort mellah bedeutet „Ort des Salzes“ und stammt vom ersten Judenviertel in Fès, das auf salzhaltigem Boden stand. Die Behauptung, Juden hätten die Köpfe hingerichteter Gefangener gesalzen, ist eine späte Legende.
2Die Synagoge der Vertriebenen
Die Synagoge Slat al-Azama, genannt Lazama, wird traditionell auf 1492 datiert, das Jahr der Vertreibung der Juden aus Spanien. Sie liegt in einem Hofhaus, ähnlich einem Riad, und wird noch genutzt. Ende der 1940er-Jahre hatte das Viertel rund 40.000 Einwohner; heute leben nur noch wenige jüdische Familien hier. 2016 ordnete König Mohammed VI. an, den Namen Mellah wieder einzuführen, der durch „Hay Essalam“ ersetzt worden war, ebenso die jüdischen Namen der Straßen.
3Worauf du achten solltest
- Die Balkone zur Straße hin, die es sonst in der Medina selten gibt.
- Die Derb-Schilder, die historische Namen zurückbringen.
- Die unauffälligen Davidsterne über manchen Türen.

Belegt
Der Mellah wurde um 1557 bis 1558 unter Abdallah al-Ghalib angelegt, erreichte Ende der 1940er-Jahre etwa 40.000 Einwohner und erhielt 2016 per königlicher Anordnung seinen Namen zurück.
Mündliche Überlieferung
Die Gründung der Lazama-Synagoge im Jahr 1492 ist ein überliefertes Datum, das urkundlich nicht belegt ist.
Quellen und Nachweise
Emily Gottreich, «The Mellah of Marrakesh: Jewish and Muslim Space in Morocco's Red City» (Indiana University Press, 2007); Gaston Deverdun, «Marrakech des origines à 1912» (1959); Foundation for Moroccan Jewish Cultural Heritage.
Fotos:
- Gebetssaal der Lazama-Synagoge mit Bänken und blauen Teppichen: David Berkowitz, CC BY 2.0.
- Rosafarbene Gasse im Mellah mit einem Straßenschild „Derb Laazama“: TomiValny, CC BY-SA 4.0.
- Überdachte Einkaufsstraße im Mellah von Marrakesch: Misa.stefanovic.07, CC BY-SA 4.0.
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