Schau dir die beiden Türme an und dann das Portal dazwischen. Gleich hinter dem Eingang, im Boden der Vorhalle, liegt eine Fliese mit dem Abdruck eines Fußes, der an der Ferse eine Art Sporn hat. Die Münchner nennen ihn den „Teufelstritt“.

1Zwei Fassungen einer List

Die Sage gibt es in verschiedenen Fassungen. In der einen schlich sich der Teufel in die eben fertiggestellte Kirche, um sie zu verspotten, und sah von dieser Stelle aus kein einziges Fenster. Er glaubte, in einer so finsteren Kirche wolle niemand beten, stampfte triumphierend auf und ging. Als er später die Fenster entdeckte, verwandelte er sich in einen wütenden Sturm, um die Kirche zum Einsturz zu bringen. In der anderen soll der Baumeister Jörg von Halsbach einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben: dessen Hilfe gegen die erste Seele, die die Kirche betritt, unter der Bedingung, dass sie keine Fenster hat. Als der Teufel merkte, dass er betrogen worden war, stampfte er auf den Boden.

Und man sagt, der Wind, der so oft um die Frauenkirche pfeift, sei der Teufel, der draußen immer noch wartet.

2Die Erklärung

Die Sage entstand wohl im Barock: Ab 1620 verdeckten ein großer Altar und ein Bogen das einzige vom Eingang aus sichtbare Fenster, und von hier aus verstellen die Säulen die übrigen. Die Altäre wurden im 19. Jahrhundert entfernt. Was den Fußabdruck angeht, vermuten Historiker eher einen Scherz der Handwerker.

Eine weitere Domsage behauptet, ein Turm sei einen Meter höher als der andere. Das stimmt nicht: Der Nordturm misst 98,57 Meter, der Südturm 98,45.

3Worauf du achten solltest

  • Der Teufelstritt in der Vorhalle, gleich am Eingang.
  • Die grünen Hauben der Türme, Anfang des 16. Jahrhunderts aufgesetzt.
  • Die Grabplatte Jörg von Halsbachs im südlichen Seitenschiff, nahe dem Eingang.

Belegt

Die Frauenkirche wurde zwischen 1468 und 1494 unter der Leitung Jörg von Halsbachs gebaut, der hier begraben liegt; ab 1620 verdeckte der Barockaltar vom Eingang aus das Chorfenster.

Mündliche Überlieferung

Der Besuch des Teufels, sein Pakt mit dem Baumeister und der Wind, der um die Kirche streicht, sind Sage.

Quellen und Nachweise

Metropolitankirche Zu Unserer Lieben Frau, offizielle Website des Doms; Erzdiözese München und Freising, „Der Teufelstritt“; deutschsprachige Wikipedia, „Teufelstritt“ und „Frauenkirche (München)“.

Fotos:

  • Rautenförmige Bodenfliese mit dem dunklen Abdruck eines Fußes, der Teufelstritt in der Frauenkirche: AuHaidhausen, CC BY 4.0.
  • Westfassade der Frauenkirche mit ihren zwei Backsteintürmen und den grünen Hauben: Rongaman, CC BY-SA 3.0.

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