Dieses Gebäude mit den gotischen Fenstern war einst Münchens Augustinerkirche. Seit 1966 beherbergt es das Deutsche Jagd- und Fischereimuseum, und darin die berühmteste Sammlung eines Tiers, das es nicht gibt: des Wolpertingers.
1Ein Tier aus Ersatzteilen
Wie er aussieht, darüber ist man sich nicht einig. Meist hat er den Kopf eines Hasen mit einem kleinen Rehgeweih, Vogelflügel, Entenfüße und manchmal Reißzähne. Jedes Exemplar ist anders, denn jedes ist eine Collage. Sicher weiß man nur eines: Im 19. Jahrhundert begannen Präparatoren, solche Wesen aus Teilen echter Tiere zusammenzusetzen und an leichtgläubige Fremde zu verkaufen.
2Woher der Name kommt
Auch das ist unklar. Bernd Ergert, ein früherer Direktor dieses Museums, brachte ihn mit tierförmigen Schnapsgläsern aus Wolterdingen im Schwarzwald in Verbindung, den sogenannten „Wolterdingern“. Eine andere Theorie führt ihn auf „Walper“ zurück, eine Verballhornung von Walpurgisnacht, der Nacht der Hexen. In anderen Gegenden Bayerns und Österreichs heißt er anders, etwa Oibadrischl oder Raurackl.
Der Überlieferung nach bekommen ihn nur junge, schöne Frauen zu Gesicht, in der Dämmerung und bei Vollmond, in Begleitung eines Mannes, der den Wald gut kennt.
Eine andere Volksregel behauptet, man müsse ihm nur Salz auf den Schwanz streuen, um ihn zu fangen. Das Museum spielt den Scherz gern mit und schreibt auf seinen Schildern, der Wolpertinger ernähre sich von weichen Preußenschädeln, ein bayerischer Seitenhieb auf die Nachbarn im Norden.
3Worauf du achten solltest
- Das bronzene Wildschwein am Eingang, dessen Rüssel unzählige Hände blank gerieben haben.
- Die Spitzbogenfenster der ehemaligen Augustinerkirche.
- Das Museumsschild über der Tür, an der Neuhauser Straße.

Belegt
Seit 1966 befindet sich das Museum in der ehemaligen Augustinerkirche; ausgestopfte Wolpertinger sind Schöpfungen von Präparatoren, die sich im 19. Jahrhundert verbreiteten.
Mündliche Überlieferung
Die Regeln, wie man einen Wolpertinger zu sehen bekommt oder fängt, sind bayerischer Volkshumor: Das Tier ist ein Fabelwesen.
Quellen und Nachweise
Deutsches Jagd- und Fischereimuseum München, offizielle Website; Haus der Bayerischen Geschichte, Objektbeschreibung „Wolpertinger“; deutschsprachige Wikipedia, „Wolpertinger“.
Fotos:
- Die ehemalige Augustinerkirche in der Neuhauser Straße, heute Sitz des Deutschen Jagd- und Fischereimuseums: Berthold Werner, CC BY-SA 3.0.
- Ausgestopfter Wolpertinger: ein Hase mit Geweih, Flügeln und Entenfüßen: WikiBayer, CC BY 4.0.
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