Dieser 85 Meter hohe Turm war mehr als achtzig Jahre lang das höchste Bauwerk Bombays. Entworfen hat ihn George Gilbert Scott, der britische Architekt von St Pancras in London, der nie nach Indien reiste: Er schickte die Pläne aus England. Vorbild war Big Ben. Der Grundstein wurde am 1. März 1869 gelegt, im November 1878 war der Bau vollendet, aus sandfarbenem Kurla-Stein.

1Der Baumwollkönig

Einen Großteil der Kosten trug Premchand Roychand, ein jainistischer Makler, den man den Baumwollkönig nannte. Während des Baumwollbooms der 1860er-Jahre trieb er gewaltige Projekte voran, darunter eine Gesellschaft, die die Back Bay aufschütten sollte – das Meer, das du am Ende dieses Rundgangs sehen wirst. 1865 platzte die Blase, und Roychand verlor ein Vermögen, doch er hielt sein Spendenversprechen. Er stellte nur eine Bedingung: Der Turm sollte den Namen seiner Mutter Rajabai tragen.

2Die Glocken einer blinden Mutter

Hier beginnt die Legende. Es heißt, Rajabai sei blind gewesen und habe als fromme Jaina ihr Abendessen vor Sonnenuntergang einnehmen müssen. Die Abendglocke habe ihr die Zeit angezeigt, ohne dass sie auf jemanden angewiesen war. Eine schöne, oft wiederholte Geschichte, doch kein zeitgenössisches Zeugnis bestätigt sie. Bekannt ist dagegen, dass die Uhr sechzehn Melodien spielte, darunter „Home! Sweet Home!“, und sie viermal am Tag wechselte. Nach mehreren Selbstmorden wurde der Turm vor Jahrzehnten für Besucher geschlossen; 2015 wurde er restauriert.

Ein Turm, bezahlt von einem Baumwollspekulanten und benannt nach seiner Mutter.

3Worauf du achten solltest

  • Das Zifferblatt hoch oben am Turm.
  • Die Statuen in den Nischen des unteren Geschosses.
  • Die Glockenstube: Warte auf die Viertelstunde, vielleicht hörst du ihr Geläut.

Belegt

Der Turm von George Gilbert Scott wurde zwischen 1869 und 1878 erbaut, ist 85 Meter hoch und nach Rajabai benannt, der Mutter des Stifters Premchand Roychand.

Mündliche Überlieferung

Dass Rajabai blind war und an den Glocken erkannte, wann sie essen durfte, ist eine volkstümliche Überlieferung ohne Bestätigung in den Quellen.

Quellen und Nachweise

University of Mumbai, Geschichte des Fort-Campus; UNESCO, 'Victorian Gothic and Art Deco Ensembles of Mumbai' (2018); Christopher London, 'Bombay Gothic' (2002).

Fotos:

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