Schau dir das Atrium über der Treppe an, diesen großen steinernen Balkon vor der Kirche San Francisco. Wenn man den Quiteños glaubt, haben ihn nicht nur Menschenhände gebaut.
1Ein Handel mit dem Teufel
Die Legende erzählt, dass der indigene Baumeister Cantuña den Franziskanern versprach, das Atrium bis zu einem bestimmten Tag fertigzustellen. Die Arbeiten gerieten in Verzug, und in der Nacht vor Ablauf der Frist rief Cantuña verzweifelt den Teufel herbei. Sie schlossen einen Pakt: Luzifer würde das Werk vor Tagesanbruch vollenden und dafür seine Seele bekommen.
Die ganze Nacht schufteten Heerscharen kleiner Teufel ohne Pause. Doch der schlaue Cantuña hatte einen der Steine versteckt.
Im Morgengrauen war das Atrium fertig, bis auf eine Lücke. Cantuña protestierte: Abgemacht war das vollständige Werk. Der überlistete Teufel zog ohne seine Seele ab.
Noch heute suchen manche im Mauerwerk nach dem fehlenden Stein.
2Der Mann hinter der Legende
Cantuña hat wirklich gelebt. Koloniale Dokumente nennen einen indigenen Schmied, Francisco Cantuña, der zu Häusern und Geld kam und die Kapelle bezahlte, die seinen Namen trägt, am Südende des Atriums. Dass ein Indigener reich wurde, weckte Misstrauen, und die volkstümliche Erklärung war ein Pakt mit dem Teufel. Es gibt sogar eine weitere Version: Cantuña habe gewusst, wo beim Brand der Inkastadt Gold vergraben worden war. Die Geschichtsforschung fand außerdem einen zweiten Cantuña, einen Schmied im 17. Jahrhundert, der eiserne Türen für das Kloster fertigte.
3Worauf du achten solltest
- Die Kapelle von Cantuña, links vom Atrium.
- Die Steinblöcke der Atriumsmauer: Such den fehlenden.
- Die Türen des Klosters, ein Werk von Schmieden aus Quito.
Belegt
Francisco Cantuña war ein im kolonialen Quito belegter indigener Handwerker, verbunden mit der Kapelle im Atrium, die seinen Namen trägt; sein Testament wird im Nationalarchiv Ecuadors aufbewahrt.
Mündliche Überlieferung
Der Pakt mit dem Teufel, der Bau des Atriums in einer einzigen Nacht und der versteckte Stein sind eine Legende, ebenso wie Cantuñas angeblicher Inkaschatz.
Quellen und Nachweise
Kloster San Francisco de Quito und Museo Fray Pedro Gocial; Archivo Nacional del Ecuador (Testament von Francisco Cantuña); Zeitung El Comercio (Quito), Sonderbeilage «Leyendas de Quito».
Fotos:
- Plaza de San Francisco mit der grauen Steinkirche und ihren zwei weißen Türmen: Bernard Gagnon, CC BY-SA 3.0.
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