Vor dir steht das Park Hotel, auf Chinesisch Guoji Fandian, das „Internationale Hotel“. Als es am 1. Dezember 1934 eröffnete, war es mit 83,8 Metern das höchste Gebäude Asiens, ein Rekord, den es bis 1963 hielt. In Shanghai überragte es nichts bis 1983.

1Eine Sparkasse, die einen Wolkenkratzer wollte

Bauherr war die Joint Savings Society, ein von vier chinesischen Banken gegründetes Sparinstitut, das den britischen Hotels am Bund Konkurrenz machen wollte. Der Architekt war László Hudec, geboren in Österreich-Ungarn, der 1918 nach Shanghai kam und Dutzende Gebäude in der Stadt hinterließ. Hudec ließ sich von den New Yorker Wolkenkratzern inspirieren: Achte darauf, wie sich der Turm stufenweise verjüngt und wie ihn die senkrechten Bänder aus dunklem Klinker noch höher wirken lassen.

2Der Nullpunkt Shanghais

1950 wählte die Stadt dieses Gebäude als Bezugspunkt für ihr Koordinatensystem. In der Lobby markiert eine Messingscheibe mit eingraviertem Stadtplan den „Nullpunkt“: Von hier aus wurde Shanghai buchstäblich vermessen.

Oft heißt es, der Architekt I. M. Pei, der als junger Mann in Shanghai studierte, habe beschlossen, Architekt zu werden, als er diesen Turm wachsen sah.

Das Grand Cinema nebenan, von 1933, ist ebenfalls ein Werk von Hudec. Genauso wie das Wukang Mansion, auch Normandie Apartments genannt, etwa dreieinhalb Kilometer südwestlich.

3Worauf du achten solltest

  • Die gestufte Turmkrone, typisch für das Art déco der 1930er-Jahre.
  • Der dunkle glasierte Klinker, ungewöhnlich in einer Stadt aus hellem Stein.
  • Die Scheibe des Nullpunkts in der Lobby, falls das Hotel dich hineinlässt.
Messingscheibe mit einem Stadtplan von Shanghai, die in der Lobby des Park Hotel den Nullpunkt markiert
Der Nullpunkt der Koordinaten Shanghais.

Belegt

Das von László Hudec entworfene Hotel eröffnete im Dezember 1934 mit 83,8 Metern Höhe und war bis 1963 das höchste Gebäude Asiens.

Mündliche Überlieferung

Die Anekdote über I. M. Pei findet sich in vielen Biografien und Artikeln, wird hier aber als Geschichte erzählt, nicht als belegte Tatsache.

Quellen und Nachweise

Hudec Memorial House (Shanghai), Informationen zum Werk von László Hudec; Jinjiang Hotels, Geschichte des Park Hotel; Tess Johnston und Deke Erh, „A Last Look: Western Architecture in Old Shanghai“ (1993).

Fotos:

  • Dunkle Klinkerfassade des Park Hotel an der Nanjing Xi Lu: ScareCriterion12, CC BY-SA 4.0.
  • Messingscheibe mit einem Stadtplan von Shanghai, die in der Lobby des Park Hotel den Nullpunkt markiert: Suicasmo, CC0.

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