Vor dir erhebt sich ein Tempel, der aussieht, als stamme er aus der Tang-Zeit, obwohl er erst 2007 fertig wurde. Unter seinem Glanz liegen zwei beunruhigende Geschichten.
1Die Straße der Toten
Gleich nebenan verlief die Sago Lane, benannt nach ihren Sagofabriken. Seit dem späten 19. Jahrhundert war sie berüchtigt für ihre „Sterbehäuser“. Viele chinesische Einwanderer lebten allein in winzigen Zimmern und hatten keinen Ort zum Sterben. In den oberen Stockwerken dieser Häuser warteten Kranke und Alte auf das Ende. Im Erdgeschoss hielt man ihre Trauerfeiern ab. Die Gasse füllte sich mit Bestattern, Sargtischlern und Läden für Papieropfer.
Die Kantonesen nannten sie „die Straße der Toten“. Die Zustände in den Sterbehäusern lösten einen Skandal aus, und die Gasse verschwand bei der Stadtsanierung der späten Sechziger- und der Siebzigerjahre.
2Ein Zahn unter Verdacht
Der Tempel wurde gebaut, um einen Zahn des Buddha zu beherbergen. Nach der Darstellung des Tempels fand ihn ein Mönch 1980 in einem eingestürzten Stupa in Myanmar.
2007 sagten mehrere von der Presse befragte Zahnärzte, nach Fotos zu urteilen, sehe er aus wie der Zahn einer Kuh oder eines Büffels; der Abt antwortete, für ihn sei er immer echt gewesen.
Der Tempel lehnte DNA-Tests ab. Die Reliquie wird in einem goldenen Stupa im vierten Stock aufbewahrt, und für die Gläubigen ist ihr Wert religiös, nicht forensisch.
3Worauf du achten solltest
- Die Dächer im Tang-Stil, ungewöhnlich unter den Tempeln der Stadt.
- Die Sago Street, deren Name an die alten Sagofabriken erinnert.
- Die Opfergaben aus Weihrauch und Blumen am Eingang.
Belegt
Der Tempel wurde 2007 fertiggestellt; die Sago Lane daneben war seit dem späten 19. Jahrhundert die Straße der „Sterbehäuser“, bis sie abgerissen wurde.
Mündliche Überlieferung
Dass der Zahn vom Buddha stammt und 1980 in einem Stupa in Myanmar gefunden wurde, ist die Darstellung des Tempels; seine Echtheit wurde von Fachleuten angezweifelt.
Quellen und Nachweise
Buddha Tooth Relic Temple and Museum (offizielle Website, „History of Sago Lane“); National Library Board, BiblioAsia, „Sago Lane: Street of the Dead“ (2013); The Straits Times, Berichte vom Juli 2007 über die Reliquie.
Fotos:
- Die rote Fassade des Buddha-Zahn-Reliquientempels: Jakub Hałun, CC BY 4.0.
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