Du stehst in einer der wenigen Straßen Taipehs, die ihren Verlauf aus der Qing-Zeit bewahrt haben. Die Backsteinhäuser mit ihren Arkaden stehen Schulter an Schulter wie in einer kleinen Stadt in Fujian. Und der Name, Bopiliao, klingt düster: etwa „der Schuppen, in dem Haut abgezogen wird“.
1Ein Name, drei Erklärungen
Die Straße taucht schon 1763 in Grundstücksurkunden als Beipiliao auf. Zum Namen gibt es drei Theorien, und keine ist bewiesen. Die erste besagt, dass hier Tannenstämme, die per Schiff aus Fuzhou kamen, entrindet wurden. Die zweite, dass Gerber an Ort und Stelle Tiere häuteten. Die dritte, dass der heutige Name schlicht eine lautähnliche Verballhornung früherer Straßennamen wie Fupiliao ist.
2Von einer Schule gerettet
1941 reservierte die japanische Regierung dieses Gelände für eine Erweiterung der Laosong-Schule, und von da an durfte nichts mehr gebaut oder verändert werden. Dieser Stillstand rettete die Häuser. Als 1998 der Abriss angeordnet wurde, wehrten sich die Bewohner.
Am Vorabend des Abrisses 1999 zogen die Bewohner mit ihren Ahnentafeln in einer Prozession durch die Straße, zündeten Lampen an und wachten die ganze Nacht, um Abschied zu nehmen.
Die Proteste retteten den größten Teil des Viertels. In einem der Häuser befand sich der Altar eines daoistischen „Rotkopf“-Priesters, der Rituale vollzog, um die Seele von Menschen „zurückzurufen“, die einen Schreck erlitten hatten. Heute dient die Straße auch als Filmkulisse: Hier wurde „Monga“ (2010) gedreht.
3Worauf du achten solltest
- Die Arkaden, typisch für taiwanische Geschäftsstraßen.
- Die roten Backsteinfassaden, manche im chinesischen, andere im westlichen Stil.
- Die alten Schilder von Läden, Badehäusern und Teestuben.
Belegt
Die Straße erscheint in Dokumenten von 1763; sie blieb erhalten, weil sie seit 1941 für eine Schule vorgesehen war, und 1999 widersetzten sich die Bewohner ihrem Abriss.
Mündliche Überlieferung
Keine der drei Erklärungen des Namens „Bopiliao“ ist bewiesen; alle drei werden als Hypothesen dargestellt.
Quellen und Nachweise
Mi Fuguo (Hrsg.), „Study of the Historical Value of the Old Street of Bopiliao“ (Tamkang University, 1999); Taipei Heritage Education Center, Dauerausstellung in Bopiliao; Bureau of Cultural Heritage, Kulturministerium, Eintrag zum Viertel.
Fotos:
- Fußgängergasse in Bopiliao mit roten Backsteinhäusern und Arkaden auf eckigen Pfeilern: HSIAO, WEN-CHIEN, CC BY-SA 4.0.
Fehler entdeckt? Schreib uns und wir sehen es uns an.
