Vor dir steht das berühmteste Backstein-Achteck Taiwans. Heute ist es ein Kulturzentrum mit Designläden, doch entstanden ist es 1908 als erste überdachte öffentliche Markthalle, die die japanische Regierung in Taipeh baute.

1Ein Markt für die neue Stadt

Die Japaner, die nach Taipeh kamen, ließen sich innerhalb der alten Stadtmauer nieder und brauchten einen modernen Markt. Der Architekt Kondō Jūrō, frisch von der Kaiserlichen Universität Tokio, entwarf eine Anlage in zwei Teilen: dieses Achteck, das als Eingang diente und feine Waren verkaufte, und dahinter eine kreuzförmige Halle für frische Lebensmittel. Er setzte Techniken ein, die damals fortschrittlich waren, etwa Stahlbeton.

2Ein Grundstück voller Gräber

Der gewählte Standort war ein alter Friedhof. Im März 1908 forderten die Behörden die Familien auf, ihre Gräber anzumelden; über neunhundert Gräber mit bekannten Besitzern wurden verlegt, dazu mehr als zweitausend, auf die niemand Anspruch erhob.

Oft heißt es, die achteckige Form solle böse Geister des alten Friedhofs abwehren. Kein Dokument belegt jedoch, dass der Architekt etwas Derartiges im Sinn hatte.

Rund um den Markt wuchs Ximending, das Viertel der Kinos und Theater. Nach dem Krieg wurde das Achteck zur Bühne für Oper, Varieté und Filme, heute ist es ein Baudenkmal der Stadt. Und das Viertel ist bis heute der Treffpunkt der Jugend von Taipeh.

3Worauf du achten solltest

  • Die weißen Bänder im roten Backstein des Achtecks.
  • Die Dachlaterne, die einst das Innere erhellte.
  • Die kreuzförmige Halle dahinter, mit ihrer kirchenähnlichen Struktur.

Belegt

Die von Kondō Jūrō entworfene Markthalle wurde am 18. Oktober 1908 eröffnet, auf einem Gelände, von dem über 900 angemeldete und mehr als 2.000 nicht beanspruchte Gräber verlegt worden waren.

Mündliche Überlieferung

Die Vorstellung, die achteckige Form halte die Geister des alten Friedhofs fern, ist Volksglaube ohne dokumentarische Grundlage.

Quellen und Nachweise

Taipei Red House Cultural Foundation, Geschichte des Gebäudes (offizielle Website); Bureau of Cultural Heritage, Kulturministerium, Denkmaleintrag; Li Qianlang, „Guide to the Historic Monuments of Taipei“ (1998).

Fotos:

  • Das achteckige Backsteingebäude des Red House in Ximen mit weißen Bändern unter blauem Himmel: CEphoto, Uwe Aranas, CC BY-SA 3.0.

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