Du bist im Sestiere Castello, auf einem riesigen Campo, wo echte Venezianer noch mit ihren Einkaufstaschen aneinander vorbeigehen. Die Kirche hat einen merkwürdigen Namen: Santa Maria „Formosa“, die Schöne.
1Eine Vision
Der Überlieferung nach erschien im 7. Jahrhundert die Jungfrau Maria dem heiligen Magnus, Bischof von Oderzo, in Gestalt einer schönen Frau, formosa, und zeigte ihm, wo er ihre Kirche bauen sollte. Das ist eine Legende: Das älteste Dokument, das die Kirche erwähnt, stammt von 1060. Der heutige Bau wurde ab 1492 von Mauro Codussi neu errichtet, und die Familie Cappello bezahlte beide Fassaden.
2Die zwölf Marien
Eine andere Geschichte rund um diese Kirche erzählt, wie Piraten eine Gruppe venezianischer Bräute entführten und Handwerker aus diesem Viertel, die Truhenmacher, sie befreiten. Darauf soll die Festa delle Marie zurückgehen, die noch heute im Karneval gefeiert wird. Belegt ist, dass der Doge jedes Jahr an Mariä Lichtmess hierherkam.
John Ruskin beschrieb in „The Stones of Venice“ den Kopf am Glockenturm als riesig, unmenschlich und monströs, als Sinnbild des Verfalls, den er in der späten Renaissance sah.
3Das Gesicht am Glockenturm
Such die Tür des barocken Glockenturms. Darüber sitzt eine Maske mit verzogenem Mund und geschwollenen Augen. Solche Gesichter, Mascheroni genannt, brachte man an, um den bösen Blick abzuwehren. Manche sehen darin heute das Bild einer echten Krankheit, aber das ist nur eine Hypothese. 1916 beschädigte eine österreichische Bombe die Kirche schwer.
4Worauf du achten solltest
- Die Maske über der Tür des Glockenturms.
- Die beiden Fassaden, eine zum Campo, eine zum Kanal.
- Die schiere Größe des Campo, eines der weitesten der Stadt.

Belegt
Die Kirche ist ab 1060 belegt, wurde ab 1492 von Mauro Codussi neu gebaut und vom Dogen jedes Jahr an Mariä Lichtmess besucht; Ruskin kritisierte die Maske am Glockenturm scharf.
Mündliche Überlieferung
Die Gründung im 7. Jahrhundert nach der Marienerscheinung vor dem heiligen Magnus und die Entführung der Bräute durch Piraten sind überlieferte Geschichten.
Quellen und Nachweise
Italienische Wikipedia, «Chiesa di Santa Maria Formosa»; John Ruskin, «The Stones of Venice», Bd. III (1853); Chorus Venezia, Eintrag zu Santa Maria Formosa.
Fotos:
- Die Kirche Santa Maria Formosa mit Kuppel und Glockenturm mit Uhr: Didier Descouens, CC BY-SA 4.0.
- Groteske Steinmaske über der Tür des Glockenturms von Santa Maria Formosa: LeZibou, CC BY-SA 3.0.
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