Vor dir steht das Wirtshaus, das für sich beansprucht, das älteste Wiens zu sein. Das Gebäude erscheint im 14. Jahrhundert in den Quellen, das Gasthaus ist seit 1447 belegt. Seinen Namen verdankt es den griechischen und levantinischen Kaufleuten, die sich im 17. Jahrhundert in diesem Viertel niederließen; die orthodoxe Kirche nebenan ist ihr Vermächtnis.

1Der liebe Augustin

Im Jahr 1679 raffte die Pest Tausende Wiener dahin. Aus jenem Jahr stammt die Sage von Marx Augustin, einem Dudelsackspieler und Straßensänger, der in diesem Wirtshaus zu spielen pflegte. Eines Nachts schlief er, wie üblich betrunken, auf der Straße ein. Die Totengräber hielten ihn für eine weitere Leiche und warfen ihn in eine Pestgrube. Am nächsten Morgen erwachte er unter den Toten, begann seinen Dudelsack zu spielen und wurde herausgezogen. Die Krankheit bekam er nie.

2Was wir wissen

Augustin hat wirklich gelebt: Ein Sterbeeintrag von 1685 verzeichnet den Tod eines etwa vierzigjährigen Sängers und Dudelsackpfeifers, der dieses Gewerbe ausübte. Das berühmte Lied „O du lieber Augustin“ dagegen kam erst um 1800 nach Wien, lange nach seinem Tod.

Ein Pfeifer, der die Pest verlacht: Wien hat ihn zum Sinnbild seiner Art gemacht, dem Unglück zu begegnen.

Drinnen zeigt das Mark-Twain-Zimmer an den Wänden Unterschriften, die das Haus berühmten Gästen zuschreibt, von Twain selbst bis zu Komponisten wie Beethoven und Schubert. 1852 wurde hier zum ersten Mal in Wien Pilsner Urquell ausgeschenkt.

3Worauf du achten solltest

  • Der Efeu, der die Fassade bedeckt, und der Adler auf dem schmiedeeisernen Schild.
  • Die Figur des Augustin mit seinem Dudelsack, über dem Eingang.
  • Die griechische Kirche nebenan mit ihrer rot-goldenen Fassade.

Belegt

Das Gasthaus ist seit 1447 belegt; ein Eintrag von 1685 verzeichnet den Tod eines Dudelsackpfeifers und Straßensängers, der mit Augustin gleichgesetzt wird; 1852 wurde hier Wiens erstes Pilsner Urquell ausgeschenkt.

Mündliche Überlieferung

Augustins Sturz in eine Pestgrube im Jahr 1679 und seine Rettung gehören zur Überlieferung; die Echtheit mancher Unterschriften im Mark-Twain-Zimmer ist nicht bewiesen.

Quellen und Nachweise

Griechenbeisl (griechenbeisl.at), Geschichte des Hauses; Wien Geschichte Wiki, Einträge „Griechenbeisl“ und „Lieber Augustin“; Felix Czeike, „Historisches Lexikon Wien“.

Fotos:

  • Die efeubewachsene rosa Fassade des Griechenbeisl, über dem Eingang die Figur des lieben Augustin: Dguendel, CC BY 4.0.

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