Schau zur Mitte des Sees. Auf der kleinen Insel steht Tháp Rùa, der Schildkrötenturm, vielleicht das berühmteste Bild Hanois. Das hier ist der Hồ Hoàn Kiếm, der „See des zurückgegebenen Schwertes“.
1Das Schwert, das ins Wasser zurückkehrte
Der Legende nach schenkte der Drachenkönig Lê Lợi im 15. Jahrhundert ein Zauberschwert, Thuận Thiên, „Wille des Himmels“, mit dem er die Ming-Besatzer vertrieb. 1428, inzwischen Kaiser, fuhr er mit dem Boot über den See, als eine goldene Schildkröte auftauchte und das Schwert zurückforderte. Lê Lợi gab es ihr, und die Schildkröte verschwand unter Wasser. Seitdem trägt der See diesen Namen.
2Ein Turm mit Geheimnissen
Auf dieser Insel stand einst ein Angelpavillon der Lê-Kaiser und später ein Tempel der Trịnh-Fürsten. Der heutige Turm wurde 1886 unter französischer Besatzung gebaut. Die Initiative ging von Nguyễn Hữu Kim aus, einem örtlichen Notabeln, der als Vermittler zu den Franzosen diente. Deshalb hieß er anfangs „Turm des Bá hộ Kim“.
Ein 1959 erschienenes Buch hielt das Gerücht fest, Kim habe seine Eltern heimlich unter dem Turm begraben, und am nächsten Morgen habe man die Särge ausgegraben gefunden. Seine Nachkommen bestreiten das, und Beweise gibt es keine.
Noch merkwürdiger, und diesmal belegt: Um 1890 setzten die Franzosen eine Nachbildung der Freiheitsstatue oben auf den Turm. Die Einheimischen nannten sie spöttisch „die Dame im weiten Rock“. Einige Jahre später wurde sie in einen nahen Garten versetzt und 1945 entfernt.
3Worauf du achten solltest
- Die Spitzbögen, europäisch im Geschmack, unter einem vietnamesischen Dach.
- Die Inschrift „Quy Sơn Tháp“, Turm des Schildkrötenbergs, im obersten Stockwerk.
- Die kleine Insel mit Rasen und Bäumen, zu der keine Brücke führt.
Belegt
Der Turm wurde 1886 auf Initiative von Nguyễn Hữu Kim gebaut, und um 1890 wurde eine Nachbildung der Freiheitsstatue darauf gesetzt.
Mündliche Überlieferung
Das der goldenen Schildkröte zurückgegebene Schwert ist eine Legende; das heimliche Begräbnis von Kims Eltern unter dem Turm ist ein unbewiesenes Gerücht.
Quellen und Nachweise
Doãn Kế Thiện, „Cổ tích và thắng cảnh Hà Nội“ (1959); Nguyễn Văn Uẩn, „Hà Nội nửa đầu thế kỷ XX“; vietnamischsprachige Wikipedia, „Tháp Rùa“.
Fotos:
- Der Schildkrötenturm auf seiner kleinen Insel im Hoàn-Kiếm-See: Richard Mortel, CC BY 2.0.
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