Vor dir liegt das Tor des Văn Miếu, des Literaturtempels, eines der am meisten verehrten Orte Hanois. Jahrhundertelang wurde hinter diesen Mauern die Elite ausgebildet, die das Land regierte.

1Ein Tempel und eine Universität

Den Chroniken zufolge wurde der Tempel 1070 unter Kaiser Lý Thánh Tông errichtet, um Konfuzius und seine Schüler zu ehren. Sechs Jahre später, 1076, gründete Lý Nhân Tông hier die Quốc Tử Giám, die Kaiserliche Akademie. Sie gilt als erste Universität Vietnams. Sie bestand bis 1779; danach verlegte die Nguyễn-Dynastie die Hauptstadt nach Huế, und die Akademie verlor ihre Rolle.

2Die Schildkröten der Doktoren

1484 ordnete Kaiser Lê Thánh Tông an, die Namen derer, die die schwersten kaiserlichen Prüfungen bestanden hatten, in Stein zu meißeln. Heute sind noch 82 Stelen erhalten, jede auf dem Rücken einer Schildkröte, einem Symbol für langes Leben und Weisheit. Sie verzeichnen 1.307 Doktoren aus den Prüfungen zwischen 1442 und 1779 und gehören zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.

Noch heute kommen viele Studierende vor ihren Prüfungen hierher, um um Glück zu bitten. Jahrelang rieb man dafür die Köpfe der Schildkröten; heute schützt sie eine Absperrung.

Im Inneren steht der Pavillon des Sternbilds der Literatur, Khuê Văn Các, erbaut 1805. Er ist heute das offizielle Wahrzeichen Hanois und ziert den 100.000-Đồng-Schein.

3Worauf du achten solltest

  • Die vier Pfeiler vor dem Tor und die seitlichen Stelen, die Reiter zum Absteigen aufforderten.
  • Die Glocke, die im oberen Pavillon des Tors hängt.
  • Die drei Durchgänge des Tors: Der mittlere war dem Kaiser vorbehalten.
Der Pavillon Khuê Văn Các auf vier weißen Pfeilern im Literaturtempel
Der Pavillon des Sternbilds der Literatur (1805), ein Wahrzeichen Hanois.
Steinstele auf einer Schildkröte mit den eingemeißelten Namen von Doktoren
Eine der 82 Doktorenstelen, jede auf dem Rücken einer Schildkröte.

Belegt

Der Tempel wurde 1070 gegründet, die Kaiserliche Akademie 1076; die 82 erhaltenen Stelen verzeichnen die Prüfungen von 1442 bis 1779.

Mündliche Überlieferung

Durch Berühren der Schildkröten um Prüfungsglück zu bitten, ist ein volkstümlicher Brauch, kein belegter alter Ritus.

Quellen und Nachweise

Văn Miếu – Quốc Tử Giám Centre for Cultural and Scientific Activities (offizielle Website); UNESCO-Weltdokumentenerbe, „Stone stele records of royal examinations of the Le and Mac dynasties (1442–1779)“; vietnamischsprachige Wikipedia, „Văn Miếu – Quốc Tử Giám“.

Fotos:

  • Eingangstor des Literaturtempels in Hanoi mit dem Glockenpavillon obenauf: Daderot, CC0.
  • Der Pavillon Khuê Văn Các auf vier weißen Pfeilern im Literaturtempel: Christophe95, CC BY-SA 4.0.
  • Steinstele auf einer Schildkröte mit den eingemeißelten Namen von Doktoren: Mig Gilbert, CC BY-SA 2.0.

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