Sieh dir die Form dieses Platzes an: lang, schmal und am Südende leicht gekrümmt. Das ist kein Zufall. Du stehst auf der Bahn des Hippodroms von Konstantinopel, des großen Circus, in dem Wagenrennen stattfanden. Septimius Severus begann den Bau Anfang des 3. Jahrhunderts, und Konstantin erweiterte ihn, als er die Stadt im Jahr 330 zu seiner Hauptstadt machte. Die Türken nannten den Platz At Meydanı, „Platz der Pferde“.
1Ein 3.500 Jahre alter Obelisk
Der Obelisk vor dir ist das älteste Objekt Istanbuls. Pharao Thutmosis III. ließ ihn im 15. Jahrhundert v. Chr. für den Tempel von Karnak meißeln. Theodosius I. ließ ihn hierher verschiffen und im Jahr 390 aufrichten. Nur der obere Teil machte die Reise mit: Der ursprüngliche Schaft war deutlich höher. Die Reliefs am Sockel zeigen den Kaiser in seiner Loge, wie er dem Sieger den Kranz überreicht, und sogar das Aufrichten des Monolithen.
2Der Nika-Aufstand
Bei den Rennen standen sich zwei Parteien gegenüber, die Blauen und die Grünen, fast schon politische Parteien. Im Januar 532 verbündeten sie sich gegen Justinian, riefen „Nika!“, „Siege!“, und setzten die halbe Stadt in Brand. General Belisar sperrte die Aufständischen im Hippodrom ein und ließ sie niedermetzeln.
Nach dem Historiker Prokop starben an einem einzigen Tag etwa dreißigtausend Menschen.
Aus der Asche dieses Aufstands erhob sich die Hagia Sophia, die du später sehen wirst.
3Worauf du achten solltest
- Die Reliefs am Sockel, die den Kaiser inmitten seines Hofes und der Menge zeigen.
- Die Hieroglyphen: Die Falken und Kartuschen des Pharaos sind noch immer gestochen scharf.
- Die lateinischen und griechischen Inschriften am Sockel, die sich damit brüsten, wie schnell der Obelisk aufgestellt wurde.
Belegt
Der Obelisk stammt aus Karnak, wurde für Thutmosis III. geschaffen und von Theodosius I. im Jahr 390 im Hippodrom aufgestellt; der Nika-Aufstand brach im Januar 532 aus.
Quellen und Nachweise
Prokop von Caesarea, „History of the Wars“ (Buch I); Türkisches Ministerium für Kultur und Tourismus, Eintrag zum Hippodrom (At Meydanı); Jonathan Harris, „Constantinople: Capital of Byzantium“ (2007).
Fotos:
- Der Theodosius-Obelisk auf dem Hippodrom-Platz, auf seinem Marmorsockel: Gryffindor, Dominio público.
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