Sieh dir diesen Steinpfeiler an, allein und ziemlich lädiert, neben dem Gehweg. Fast alle laufen achtlos vorbei, dabei war dies einmal der Mittelpunkt der byzantinischen Welt. Es ist alles, was vom Milion übrig ist, dem Nullpunkt, von dem aus die Meilen jeder Straße im Reich gezählt wurden.
1Ein Bogen mit Kuppel
Rom hatte seinen Goldenen Meilenstein auf dem Forum; Konstantinopel, das „neue Rom“, wollte einen eigenen. Der Milion war kein bloßer Markierungsstein, sondern ein Tetrapylon, ein Bogen auf vier Pfeilern, gekrönt von einer Kuppel. Den Quellen zufolge standen oben Statuen Konstantins und seiner Mutter Helena mit einem Kreuz. Mit der Zeit füllte er sich mit Skulpturen und Gemälden, und kaiserliche Prozessionen zogen unter ihm hindurch.
2Die Straße namens Mese
Von diesem Bogen führte die Mese, die „Mittlere Straße“, die große Säulenstraße, die die Stadt nach Westen durchquerte. Der heutige Divanyolu, auf dem die Straßenbahn fährt, folgt fast derselben Linie. Die Osmanen gaben ihm diesen Namen, weil er zum Diwan führte, dem Rat des Sultans.
Straßen, Reiche und Namen wandeln sich; die Linie einer Hauptstraße überdauert beinahe alles.
Der Milion stand nach der Eroberung von 1453 noch, verschwand aber Anfang des 16. Jahrhunderts, wahrscheinlich als an dieser Stelle ein Wasserturm errichtet wurde. Jahrhundertelang war er vergessen, bis Grabungen in den Jahren 1967 und 1968, nach dem Abriss einiger Häuser, Fundamente und dieses Fragment ans Licht brachten, das wieder aufgerichtet wurde.
3Worauf du achten solltest
- Der Pfeiler: ein Fragment des ursprünglichen Bogens, keine vollständige Rekonstruktion.
- Die Fundamente um ihn herum, weit unterhalb des heutigen Bodenniveaus.
- Die Straße Divanyolu, die dem Verlauf der antiken Mese folgt.
Belegt
Der Milion war ein überkuppeltes Tetrapylon und der Ausgangspunkt für die Entfernungsangaben im ganzen Reich; er verschwand Anfang des 16. Jahrhunderts, und seine Reste wurden 1967–1968 ausgegraben.
Quellen und Nachweise
Cyril Mango, „The Brazen House: A Study of the Vestibule of the Imperial Palace of Constantinople“ (1959); Wolfgang Müller-Wiener, „Bildlexikon zur Topographie Istanbuls“ (1977); Türkisches Ministerium für Kultur und Tourismus, Informationen zu Sultanahmet.
Fotos:
- Der Meilenstein Milion neben seinen freigelegten Fundamenten, unweit der Hagia Sophia: Derzsi Elekes Andor, CC BY-SA 4.0.
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