Vor dir steht die erste Moschee Südafrikas. Erwarte kein prächtiges Monument: Von außen ist es ein bescheidener Bau, denn er begann als Lagerhaus der Familie, die ihn stiftete. Seine Bedeutung liegt darin, was er für die muslimische Gemeinschaft am Kap bedeutete.
1Ein Glaube ohne Gotteshäuser
Fast anderthalb Jahrhunderte lang verbot die Niederländische Ostindien-Kompanie den öffentlichen muslimischen Gottesdienst. Dabei kam der Islam sehr früh ans Kap, mit versklavten Menschen aus Südostasien und mit den politischen Gefangenen, die die Kompanie aus Indonesien verbannte. Gebetet wurde in Privathäusern und in Steinbrüchen vor der Stadt.
In den 1790er-Jahren, während der ersten britischen Besetzung, kam der entscheidende Schritt. Saartjie van de Kaap, Tochter eines freien Mannes namens Coridon van Ceylon, stiftete das Lagerhaus, das sie in dieser Straße geerbt hatte. Erster Imam war Tuan Guru, ein Prinz von Tidore und ehemaliger Gefangener auf Robben Island, der hier schon seit 1793 eine Madrasa leitete, eine Koranschule. Die örtliche Überlieferung und die Tafel an der Fassade datieren die Moschee auf 1794.
In Tuan Gurus Madrasa schrieb man Afrikaans mit arabischen Buchstaben: Einige der ältesten Texte dieser Sprache stammen aus den muslimischen Schulen am Kap.
Nach Tuan Gurus Tod ging das Amt des Imams an Saartjies Mann, Achmat van Bengalen, über und blieb bis 1980 in seiner Familie. Nach Angaben der Gemeinde bewahrt die Moschee einen Koran, den Tuan Guru selbst von Hand abgeschrieben hat.
2Worauf du achten solltest
- Die Tafel „Established 1794“ über der Tür.
- Das Minarett, Ergebnis von Umbauten im 20. Jahrhundert.
- Die Dorp Street, eine der ältesten Straßen des Viertels.
Belegt
Die Moschee wurde in den 1790er-Jahren auf einem Grundstück von Saartjie van de Kaap gegründet, ihr erster Imam war Tuan Guru; die muslimischen Schulen am Kap schrieben Afrikaans in arabischer Schrift.
Mündliche Überlieferung
Das genaue Datum 1794 stammt aus der örtlichen Überlieferung, und dass der hier aufbewahrte Koran von Tuan Gurus Hand stammt, glaubt die Gemeinde.
Quellen und Nachweise
Achmat Davids, „The Mosques of Bo-Kaap“ (1980); Shafiq Morton, „From the Spice Islands to Cape Town: The Life and Times of Tuan Guru“ (2018); South African History Online (SAHO), „Auwal Mosque“.
Fotos:
- Grüne Fassade und Minarett der Auwal-Moschee in der Dorp Street: Marushka2025, CC BY-SA 4.0.
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