Vor dir steht die Stara Synagoga, das älteste erhaltene Synagogengebäude Polens. Ihr genaues Baudatum ist umstritten: Je nach Quelle entstand sie irgendwann im 15. Jahrhundert, vom Anfang bis zum Ende des Jahrhunderts. Sicher ist, dass ein Brand sie 1557 schwer beschädigte und dass der italienische Baumeister Matteo Gucci sie 1570 im Stil der Renaissance wieder aufbaute.
1Eine Festungssynagoge
Gucci gab ihr das Aussehen, das du siehst: dicke Mauern, massive Strebepfeiler, hoch liegende Fenster und eine Attika mit Öffnungen wie eine Brustwehr. Sie war das religiöse und gemeinschaftliche Zentrum des jüdischen Kazimierz; im 17. Jahrhundert kamen Gebetsräume für Frauen hinzu, die niedrigen Anbauten an der Fassade.
2Kościuszko und der Krieg
1794, während des Aufstands gegen Russland und Preußen, sprach Tadeusz Kościuszko hier, um die jüdische Bevölkerung um Unterstützung zu bitten; eine Tafel erinnert daran. Unter der deutschen Besatzung wurde die Synagoge geschändet, geplündert und als Lagerhalle benutzt, und 1943 erschossen die Deutschen an ihrer Mauer dreißig polnische Geiseln.
Vor dem Krieg lebten etwa 60.000 Juden in Krakau, fast ein Viertel der Bevölkerung. Die allermeisten von ihnen wurden im Holocaust ermordet. Die Synagoge wurde zwischen 1956 und 1959 restauriert und ist seit 1958 eine Abteilung des Museums Krakau, die der Geschichte und Kultur der Krakauer Juden gewidmet ist.
Das Gebäude hat überlebt; die Gemeinde, die darin betete, fast vollständig nicht.
3Worauf du achten solltest
- Die Blendbögen oben an der Backsteinmauer, aus dem Wiederaufbau von 1570.
- Die Strebepfeiler, die dem Bau sein wehrhaftes Aussehen geben.
- Die Steinmauer links, ein Rest der alten Befestigung des Viertels.
Belegt
Belegt sind der Wiederaufbau durch Matteo Gucci 1570, Kościuszkos Aufruf 1794, die Erschießung von Geiseln 1943 und die Nutzung als Museum seit 1958; das ursprüngliche Baudatum ist umstritten.
Quellen und Nachweise
Museum Krakau, Abteilung „Stara Synagoga“ (muzeumkrakowa.pl); englische Wikipedia, „Old Synagogue (Kraków)“; Jüdisches Historisches Institut, Virtual Shtetl (sztetl.org.pl).
Fotos:
- Backsteinfassade der Alten Synagoge am Ende der ul. Szeroka: Jeremiah Z. Cockroach, CC BY-SA 4.0.
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