Vor dir liegt das Niōmon, das Wächtertor des Kiyomizu-dera, erbaut in der Muromachi-Zeit. Dahinter hängt über dem Hang die Haupthalle mit ihrer berühmten Holzbühne.
1Ein Tempel des reinen Wassers
Der Überlieferung nach wurde der Tempel 778 gegründet, als der Mönch Enchin hier einen Wasserfall fand. Der General Sakanoue no Tamuramaro wurde sein großer Förderer. Kiyomizu bedeutet „reines Wasser“, und der Otowa-Wasserfall mit seinen drei Strahlen fließt noch immer am Fuß der Halle. Das heutige Gebäude wurde 1633 mit Mitteln des Shoguns Tokugawa Iemitsu wieder errichtet und ist Nationalschatz.
2Der Sprung von der Bühne
Die Terrasse, die „Bühne“ des Kiyomizu, liegt etwa dreizehn Meter über dem Abgrund. Auf Japanisch heißt „von der Bühne des Kiyomizu springen“, einen kühnen Schritt zu wagen. Das ist nicht nur eine Redensart: Das Tagebuch des Jōjū-in, eines der Nebentempel, verzeichnet in der Edo-Zeit 234 Sprünge, und rund 85 % der Springer überlebten. Man glaubte, wer sich Kannon anvertraue und springe, dem erfülle sich sein Wunsch; und wer sterbe, gelange ins Paradies. 1872 verboten die Behörden die Praxis.
Die Sprünge sind belegt; die Vorstellung, Kannon habe den Überlebenden ihre Wünsche erfüllt, war ein Volksglaube.
3Worauf du achten solltest
- Die beiden Wächter des Niōmon, einer mit offenem, der andere mit geschlossenem Mund.
- Die dreistöckige Pagode rechts vom Tor.
- Die Holzpfeiler, die die Bühne tragen und von unten zu sehen sind.

Belegt
Die Haupthalle wurde 1633 wieder aufgebaut und ist Nationalschatz; die Aufzeichnungen des Jōjū-in belegen 234 Sprünge in der Edo-Zeit, und die Praxis wurde 1872 verboten.
Mündliche Überlieferung
Die Gründung 778 durch Enchin und der Glaube, ein Sprung im Vertrauen lasse Wünsche in Erfüllung gehen, gehören zur Überlieferung.
Quellen und Nachweise
Kiyomizu-dera, offizielle Website; UNESCO, „Historic Monuments of Ancient Kyoto“; „Kiyomizu-dera Jōjū-in nikki“, vom Tempel ab 2015 herausgegebene Edition.
Fotos:
- Das zinnoberrote Niōmon-Tor des Kiyomizu-dera, rechts daneben die dreistöckige Pagode: DXR, CC BY-SA 4.0.
- Die Haupthalle des Kiyomizu-dera mit ihrer hölzernen Bühne über roten Ahornbäumen: Martin Falbisoner, CC BY-SA 4.0.
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