Vor dir ragen hinter einer grauen Ziegelmauer die zwei Turmspitzen der Michaelskirche auf. Das sieht aus wie ein Stück Frankreich, und in gewisser Weise war es das auch: Du stehst in der Dōng Jiāomín Xiàng, der Straße, die dem ausländischen Gesandtschaftsviertel ihren Namen gab.

1Vom Reis zu den Diplomaten

Unter den Mongolen war dies die „Gasse des Flussreises“, mit der Zollstelle für das Getreide, das über den Kaiserkanal kam. Die Ming siedelten hier Ministerien an, darunter das Ritenministerium, und Herbergen für die Gesandten aus Korea, Vietnam und Birma. 1860 änderte sich alles: Nach dem Zweiten Opiumkrieg zwang die Konvention von Peking die Qing, ständige Diplomaten in der Hauptstadt zu dulden. 1861 eröffneten hier die britische, die französische und die russische Gesandtschaft, und bis 1900 waren es elf.

2Die 55 Tage

Im Sommer 1900, während des Boxeraufstands, wurde das Viertel vom 20. Juni bis zum 14. August belagert, bis die Truppen der Acht-Nationen-Allianz eintrafen. Diplomaten, Soldaten und Tausende chinesische Christen, die hier Zuflucht gesucht hatten, hielten drinnen aus. Nach dem Protokoll von 1901 wurde das Viertel ummauert und bis zum Zweiten Weltkrieg ausländischer Gerichtsbarkeit unterstellt.

Die Kirche, die du siehst, entstand zwischen 1901 und 1904 für die Katholiken des Viertels, auf einem Grundstück, das die französische Gesandtschaft zur Verfügung stellte.

Ab 1958 war sie für Gottesdienste geschlossen und diente als Aula einer Schule. 1989 wurde sie wieder geöffnet.

3Worauf du achten solltest

  • Der Erzengel Michael, über dem Hauptportal in Stein gehauen.
  • Die Buntglasfenster an den Seiten, die man in Frankreich bestellte.
  • Die alten Banken mit klassizistischen Fassaden, die die Straße nach Westen säumen.

Belegt

Die Gesandtschaften ließen sich ab 1861 hier nieder, die Belagerung dauerte vom 20. Juni bis zum 14. August 1900, und die Michaelskirche wurde 1904 fertiggestellt.

Quellen und Nachweise

Peter Fleming, „The Siege at Peking“ (1959); Katholisches Bistum Peking, Informationen zur Michaelskirche; Städtisches Amt für Kulturerbe Peking, Eintrag zu den historischen Bauten der Dongjiaominxiang.

Fotos:

  • Die neugotische Michaelskirche mit ihren zwei grauen Turmspitzen hinter einer Ziegelmauer in der Dongjiaominxiang: Zhang Ai, CC BY-SA 4.0.

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