Dieser weiße Turm, der allein oben in einem Park steht, ist der Rest der Russischen Gesandtschaft, die 1890 auf dem höchsten Punkt von Jeong-dong fertiggestellt wurde. Von hier aus überblickte man den Deoksugung-Palast und einen großen Teil der Stadt. Der Entwurf wird meist dem russischen Architekten Afanassi Seredin-Sabatin zugeschrieben.
1Der Mord an der Königin
Im Oktober 1895 drang eine Gruppe japanischer Agenten und Soldaten mit koreanischen Helfern in den Gyeongbokgung ein und ermordete Königin Min, heute als Kaiserin Myeongseong bekannt. Sie hatte gegen Japan auf engere Beziehungen zu Russland gesetzt. König Gojong war danach praktisch ein Gefangener in seinem eigenen Palast.
2Die Flucht
In den frühen Morgenstunden des 11. Februar 1896 schlichen sich Gojong und der Kronprinz aus dem Palast und suchten hier Zuflucht. Zeitgenössischen Berichten zufolge reisten sie versteckt in Sänften von Hofdamen, die die Wachen nicht durchsuchten. Die Episode heißt Agwan pacheon, „der Umzug des Königs in die russische Gesandtschaft“. Gojong regierte ein Jahr lang von hier aus, bis zum 20. Februar 1897.
Seit Jahren ist von einem Geheimgang zwischen Gesandtschaft und Palast die Rede; dass es ihn je gab, ist nicht belegt.
Was es gibt, ist ein schmaler Weg an der Mauer entlang, der 2018 als „Gojongs Weg“ geöffnet wurde und die Strecke nachzeichnet, die der König genommen haben könnte. Das Gebäude wurde im Koreakrieg zerstört, der Turm 1973 restauriert.
3Worauf du achten solltest
- Der Turm im Stil der Neorenaissance, mit Rundbogenfenstern.
- Der erhöhte Aussichtspunkt: Schau hinüber zum Deoksugung.
- Die Fundamentreste im Garten.

Belegt
Die Gesandtschaft wurde 1890 fertiggestellt; Gojong suchte dort nach dem Mord an Königin Min 1895 vom 11. Februar 1896 bis zum 20. Februar 1897 Zuflucht.
Mündliche Überlieferung
Die Flucht in den Sänften von Hofdamen stammt aus zeitgenössischen Berichten, und der angebliche Geheimgang zum Palast ist ein unbestätigtes Gerücht.
Quellen und Nachweise
Korea Heritage Service, «Former Russian Legation, Seoul» (historische Stätte); Encyclopedia of Korean Culture, Eintrag «Agwan pacheon»; Isabella Bird, «Korea and Her Neighbours» (1898), eine Augenzeugin der Zeit.
Fotos:
- Dreistöckiger weißer Turm der ehemaligen Russischen Gesandtschaft mit Rundbogenfenstern, zwischen Bäumen und einem Bürogebäude: Lawinc82, CC BY-SA 3.0.
- Zeitungsstich aus dem späten 19. Jahrhundert: russische Wachen treffen in Seoul ein: Frederic Villiers, Dominio público.
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