Du stehst an der Gwangtonggyo, der wichtigsten Brücke im Seoul der Joseon-Zeit. Königliche Prozessionen und ausländische Gesandte zogen über sie, und rundherum lag der belebteste Markt der Hauptstadt. Doch in ihren Steinen steckt eine Geschichte von Familienhass.
1Die Königin und der Prinz
Der Gründer der Dynastie, Taejo, hatte zwei Frauen. Mit der zweiten, Königin Sindeok, wollte er einen ihrer Söhne zum Erben machen. Das brachte Yi Bang-won auf, einen Sohn der ersten Frau. Er tötete 1398 seine Halbbrüder und wurde schließlich König Taejong.
Sindeok war 1396 gestorben, und Taejo, der sie verehrte, ließ ihr innerhalb der Stadt ein prächtiges Grab bauen, Jeongneung, in dem Viertel, das bis heute Jeong-dong heißt. Nach Taejos Tod ließ Taejong es 1409 vor die Mauern verlegen. Im Jahr darauf riss ein Hochwasser die alte Erdbrücke von Gwangtonggyo fort, und die neue Steinbrücke wurde mit Platten aus dem früheren Grab gebaut.
Man erzählt, Taejong habe das getan, damit die ganze Stadt jeden Tag über das Grab der verhassten Königin gehe.
Die Verwendung der Steine aus Jeongneung ist belegt; die genaue Absicht des Königs ist eine überlieferte, wenn auch weit verbreitete Deutung.
2Begraben und wiederentdeckt
In den 1950er-Jahren wurde der Bach mit Beton und einer Hochstraße überbaut. Als man den Cheonggyecheon 2005 renaturierte, wurde die Brücke mit ihren Originalsteinen wieder zusammengesetzt, ein kleines Stück von ihrem ursprünglichen Standort entfernt.
3Worauf du achten solltest
- Die Platten mit Wolkenreliefs in den Widerlagern.
- Die kopfüber eingesetzten Steine, deren Reliefs falsch herum liegen.
- Die Wächterfiguren mit gefalteten Händen, aus dem Grab geholt.

Belegt
1410 wurde die Brücke mit Platten aus dem 1409 verlegten früheren Grab von Königin Sindeok (Jeongneung) in Stein neu gebaut; bei der Renaturierung des Cheonggyecheon 2005 wurde sie wieder aufgestellt.
Mündliche Überlieferung
Dass Taejong diese Steine verwendete, damit die Stadt über das Grab seiner Stiefmutter gehe, ist die überlieferte Deutung seiner Absicht.
Quellen und Nachweise
«Taejong sillok», Einträge von 1409 und 1410 zu Jeongneung und der Brücke; Seoul Museum of History, Veröffentlichungen zum Cheonggyecheon; Seoul Metropolitan Government, Informationen zur Gwangtonggyo.
Fotos:
- Die Steinbrücke Gwangtonggyo über den Bach Cheonggyecheon mit quadratischen Pfeilern und steinernem Geländer, dahinter Hochhäuser: Administración del Patrimonio Cultural de Corea (문화재청), KOGL Type 1.
- Steinplatte mit spiralförmigen Wolkenreliefs in einem Widerlager der Gwangtonggyo-Brücke: Administración del Patrimonio Cultural de Corea (문화재청), KOGL Type 1.
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