Zwischen Sneakerläden und Leuchtreklamen übersieht man diese rote Fassade leicht. Drinnen wohnt Mazu, die Schutzpatronin der Seeleute, die in Taiwan seit der Ankunft der ersten Einwanderer verehrt wird. Doch das Gebäude birgt eine noch seltsamere Geschichte.

1Ein Tempel ohne Zuhause

Gegründet wurde der Tempel 1746 in Bangka unter dem Namen Xinxing Gong. 1943, mitten im Krieg, rissen ihn die japanischen Behörden für eine Straße ab, und die Gläubigen brachten die Mazu-Statue im Longshan-Tempel in Sicherheit. 1948, unter der neuen Regierung, zog die Göttin hierher, in das leer stehende Gebäude des Kōbō-ji, eines japanischen Tempels der buddhistischen Shingon-Schule. Ein Brand Anfang der 1950er-Jahre zerstörte den alten Bau, und ab 1959 wurde der heutige Tempel neu errichtet.

2Ein japanischer Mönch auf einem chinesischen Altar

In einer Seitenhalle neben Mazu triffst du auf eine unerwartete Gestalt: Kūkai, den japanischen Mönch, auch Kōbō Daishi genannt, Begründer des Shingon-Buddhismus. Seit 1973 kommen jeden Herbst Mönche vom Berg Kōya in Japan hierher, um Zeremonien abzuhalten.

Nach der Überlieferung des Tempels stand Kūkai zunächst nicht auf dem Altar: Er erschien den Gläubigen im Traum und bat darum, wieder verehrt zu werden.

Achte auch auf Mazus zwei Wächter: Qianliyan, „Tausend-Li-Auge“, und Shunfeng'er, „Windfolgendes Ohr“, zwei Dämonen, die die Göttin der Legende nach besiegte und zu ihren Helfern machte.

3Worauf du achten solltest

  • Die schmale Fassade, eingezwängt zwischen modernen Gebäuden.
  • Die Steinstatue von Kūkai mit Pilgerhut neben dem kleinen Teich.
  • Mazus Wächter, einer mit grüner, einer mit roter Haut, auf dem Hauptaltar.

Belegt

Der 1746 gegründete Mazu-Tempel wurde 1943 abgerissen und 1948 in den ehemaligen japanischen Tempel Kōbō-ji verlegt; seit 1973 halten Mönche vom Berg Kōya hier Zeremonien ab.

Mündliche Überlieferung

Dass Kūkai im Traum erschien, um Verehrung zu erbitten, und die Erzählung von den durch Mazu besiegten Dämonen gehören zur religiösen Überlieferung.

Quellen und Nachweise

Taipei Tianhou Temple, „A Short History of the Temple“ (Faltblatt und offizielle Website); Taipei Travel (travel.taipei), Eintrag zum Tempel; Stadtregierung Taipeh, „Taipei City Gazetteer“ (臺北市志), Band Religion.

Fotos:

  • Schmale rot-goldene Fassade des Tianhou-Tempels mit roten Laternen zwischen Geschäften an der Chengdu Road: Chainwit., CC BY 4.0.

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