Sieh dir den Turm vor dir an und vergleiche ihn mit dem auf der anderen Seite. Der Südturm ist 136 Meter hoch und wurde 1433 vollendet. Dieser hier, der Nordturm, blieb bei 68 Metern stehen und trägt seit 1578 eine Haube, die wie ein eilig aufgesetzter Hut wirkt.
1Was die Urkunden sagen
Der Baumeister Hans Puchsbaum legte 1450 seine Fundamente und starb 1454. Die Arbeiten gingen langsam voran und kamen im frühen 16. Jahrhundert zum Stillstand: Es fehlte Geld, die Gotik kam aus der Mode, und die Türken bedrohten Wien. Seit 1957 hängt hier die Pummerin, die große Glocke, die 1951 aus dem Metall ihrer Vorgängerin gegossen wurde, die beim Brand von 1945 zersprang.
2Was die Sage sagt
Die volkstümliche Fassung behauptet, Puchsbaum habe die Tochter seines Meisters heiraten wollen und dafür den Turm in unmöglich kurzer Zeit vollenden müssen. Der Teufel bot seine Hilfe an, unter einer Bedingung: Er dürfe nie einen heiligen Namen aussprechen. Als er seine Verlobte über den Platz gehen sah, rief er ihr zu: Maria. Da stürzte das Gerüst ein. Schon 1722 wies ein Wiener Schriftsteller die Geschichte zurück, die möglicherweise den Nachhall eines echten Bauunfalls bewahrt.
Am Ostende des Doms wartet noch eine andere Geschichte: die vom Zahnwehherrgott.
Es ist ein Christus von etwa 1420; der in der Nische ist eine getreue Kopie, das Original wird im Inneren aufbewahrt, in der Nordturmhalle. Der Überlieferung nach verspotteten ihn einige betrunkene junge Männer, weil er ein Tuch ums Gesicht gebunden hatte, und noch in derselben Nacht plagte sie furchtbares Zahnweh, das erst verschwand, als sie ihn um Verzeihung baten.
3Worauf du achten solltest
- Die Renaissancehaube des Nordturms.
- Der Adler auf dem Dach, in den bunten Ziegeln der Nordseite.
- Der Zahnwehherrgott, in seiner Nische am Ostende.

Belegt
Puchsbaum legte 1450 die Fundamente des Nordturms und starb 1454; der Turm blieb im frühen 16. Jahrhundert unvollendet und erhielt 1578 seine Haube; seit 1957 hängt die Pummerin darin.
Mündliche Überlieferung
Puchsbaums Pakt mit dem Teufel und die Strafe für die Spötter des Zahnwehherrgotts gehören zur Volksüberlieferung.
Quellen und Nachweise
Stephansdom (stephanskirche.at); Dombauhütte St. Stephan, Geschichte der Türme; Wien Geschichte Wiki, Einträge „Hans Puchsbaum“ und „Pummerin“.
Fotos:
- Der unvollendete Nordturm des Stephansdoms mit seiner achteckigen Haube, links die Capistrankanzel: Falk2, CC BY-SA 4.0.
- Der Zahnwehherrgott, ein Christus als Halbfigur mit Dornenkrone: Palickap, CC BY-SA 4.0.
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