Schau dir die weiße Kirche mit dem Glockenturm an. Das ist die Groote Kerk, die „Große Kirche“, Heimat der ältesten christlichen Gemeinde Südafrikas. Der heutige Bau stammt von 1841, doch unter seinem Boden ruhen Gestalten aus den Anfängen der Kolonie. Darunter der Mann vom vorigen Stopp: Gouverneur Noodt wurde hier am 30. April 1729 begraben.
1Der Baum, den es nicht mehr gibt
Schau jetzt hinunter auf die Verkehrsinsel in der Spin Street. Eine Tafel im Pflaster, abgewetzt von unzähligen Füßen, besagt, dass an dieser Stelle der alte Sklavenbaum stand. Seit Generationen heißt es, unter seinen Ästen seien versklavte Menschen versteigert worden. Der Baum, eine große Kiefer, wurde 1916 gefällt, und sein Stumpf verschwand, als man die Straße verbreiterte.
2019 kam die Historikerin Lalou Meltzer zu dem Schluss, dass es keinen schlüssigen Beleg für Versteigerungen unter diesem Baum gibt, auch wenn in der Stadt zweifellos Sklaven verkauft wurden. Die Verbindung gehört zum Volksgedächtnis.
Die städtischen Denkmalführer weisen außerdem darauf hin, dass versklavte Menschen auf diesem Platz warteten, während ihre Besitzer den Gottesdienst besuchten.
2Das Denkmal
2008 wurden die elf schwarzen Granitblöcke eingeweiht, die du hier siehst, ein Werk von Gavin Younge und Wilma Cruise. In sie sind Namen versklavter Menschen und von Schiffen eingraviert, dazu Wörter, die mit Widerstand verbunden sind. Jedes Jahr in der Nacht zum 1. Dezember beginnt hier ein Gedenkgang: Er erinnert an den 1. Dezember 1834, als die Sklaverei in der Kolonie abgeschafft wurde, auch wenn die volle Freiheit erst 1838 kam.
3Worauf du achten solltest
- Die Tafel des Baumes in der Spin Street, heute fast unleserlich.
- Die Granitblöcke und die Wörter, die in sie gemeißelt sind.
- Die Baumskulptur an der Spin Street, die an den verschwundenen Baum erinnert.
Belegt
Noodt wurde am 30. April 1729 in der Groote Kerk begraben; der Baum in der Spin Street wurde 1916 gefällt, und das Granitdenkmal von Younge und Cruise wurde 2008 eingeweiht.
Mündliche Überlieferung
Dass versklavte Menschen gerade unter diesem Baum versteigert wurden, ist eine tief verwurzelte Überlieferung, für die es aber keinen schlüssigen dokumentarischen Beweis gibt.
Quellen und Nachweise
Lalou Meltzer, „Slave sales and Cape Town's Slave Tree memorial“, Quarterly Bulletin of the National Library of South Africa (2019); University of Cape Town News, „Younge/Cruise design unveiled by Zille“ (2008); Eric Rosenthal, „Encyclopaedia of Southern Africa“.
Fotos:
- Schwarze Granitblöcke des Denkmals für die Versklavten am Church Square: HelenOnline, CC BY-SA 4.0.
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