Vor dir liegt der Komplex von San Francisco, das größte religiöse Ensemble in einer Altstadt Amerikas: drei Kirchen und dreizehn Kreuzgänge auf rund dreieinhalb Hektar. Von hier aus verstehst du, warum die Quiteños ihre Stadt ein Freilichtmuseum nennen.

1Eine Schule für Künstler

Die Franziskaner bauten nicht nur Kirchen. Neben dem Kloster gründeten sie eine Schule, das Colegio de San Andrés. Dort lernten die Söhne des indigenen Adels und Mestizen lesen und singen, aber auch Handwerke wie Malerei, Bildhauerei und Holzschnitzerei. Aus diesem Unterricht erwuchs die Schule von Quito, der Stil, der die Stadt zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert zu einer der großen Werkstätten religiöser Kunst in Amerika machte. Ihre Werke gingen nach Lima, Bogotá, Popayán und sogar nach Spanien.

2Die Meister

Zu den wichtigsten Namen zählen der Maler Miguel de Santiago und zwei Bildhauer: Bernardo de Legarda und der indigene Künstler Manuel Chili, genannt Caspicara. 1734 schnitzte Legarda eine kleine geflügelte Jungfrau, die auf dem Hochaltar dieser Kirche steht. Sie ist das Vorbild für die große Jungfrau vom Panecillo.

König Karl III. wird ein oft zitierter Satz zugeschrieben: Es störe ihn nicht, dass Italien Michelangelo habe, denn in seinen amerikanischen Kolonien habe er Caspicara. Dass er das je gesagt hat, ist nicht belegt.

Im Klostermuseum, benannt nach Fray Pedro Gocial, einem seiner Gründer, kannst du viele dieser Werke aus der Nähe sehen.

3Worauf du achten solltest

  • Die weißen Türme, nach mehreren Erdbeben wiederaufgebaut.
  • Das manieristische Portal, außen schlicht im Vergleich zum Gold im Innern.
  • Das Atrium, wo im 16. und 17. Jahrhundert das einfache Volk begraben wurde.

Belegt

Die Schule von Quito entstand aus dem franziskanischen Colegio de San Andrés; Bernardo de Legarda schnitzte 1734 die geflügelte Jungfrau, die als Vorbild für die auf dem Panecillo diente.

Mündliche Überlieferung

Der Ausspruch Karls III. über Caspicara und Michelangelo ist eine zugeschriebene Anekdote ohne dokumentarischen Beleg.

Quellen und Nachweise

Museo Fray Pedro Gocial (Kloster San Francisco de Quito); José María Vargas, «Historia del arte ecuatoriano»; Instituto Nacional de Patrimonio Cultural del Ecuador.

Fotos:

  • Plaza de San Francisco mit der grauen Steinkirche und ihren zwei weißen Türmen: Bernard Gagnon, CC BY-SA 3.0.

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