Vor dir liegt die Kiyomizu Kannon-dō, eines der ältesten Gebäude von Tokio. Wenn dich ihre Terrasse auf Stelzen an etwas erinnert, dann liegt das daran, dass sie absichtlich dem berühmten Kiyomizu-dera in Kyoto nachempfunden wurde.

1Kyoto im Kleinen

1625 gründete der Mönch Tenkai auf diesem Hügel den großen Tempel Kan'ei-ji, als Wächter der Burg Edo. Seine Idee war, in Edo die heilige Landschaft Kyotos nachzubilden: den Berg Hiei, den Biwa-See und, 1631, diese von Kiyomizu inspirierte Halle. 1694 wurde sie an ihren heutigen Platz versetzt. Sie überstand die Schlacht von Ueno 1868, in der kaiserliche Truppen hier die letzten Getreuen des Shoguns niederwarfen, und ist als Wichtiges Kulturgut geschützt.

2Puppen mit Seele

Im Inneren wird eine Kannon verehrt, die die Kindererziehung beschützt. Wer sie um ein Kind bittet und eines bekommt, schenkt ihr zum Dank eine Puppe. Jedes Jahr im September findet ein Ningyō kuyō statt: eine Zeremonie, bei der die Puppen mit Gebeten verabschiedet und dann verbrannt werden.

In Japan glaubt man traditionell, dass vielgeliebte Gegenstände etwas wie eine Seele bekommen; deshalb wirft man sie nicht einfach weg.

3Die Mondkiefer

Um 1857 zeichnete Hiroshige hier eine Kiefer mit einem zum Kreis gebogenen Ast, die „Mondkiefer“. Sie ging in der Meiji-Zeit verloren und wurde 2012 mit einem neuen Baum wiederhergestellt.

4Worauf du achten solltest

  • Die Mondkiefer: Schau durch den Kreis hinüber zum Teich.
  • Die Terrasse auf Stelzen im Stil von Kyoto.
  • Die Puppen, die du im Inneren sehen kannst.

Belegt

Die Halle wurde 1631 gebaut, 1694 hierher versetzt, überstand 1868 die Schlacht von Ueno und ist ein Wichtiges Kulturgut; die Mondkiefer wurde 2012 neu gepflanzt.

Mündliche Überlieferung

Der Glaube, dass Puppen eine Seele haben, gehört zur Volksreligion und nicht zu den überprüfbaren Tatsachen.

Quellen und Nachweise

Kan'ei-ji Temple, official website, Kiyomizu Kannon-dō; Ministry of Land, Infrastructure, Transport and Tourism of Japan, panel text ‘Kiyomizu Kannon-dō’; Henry D. Smith II, ‘Hiroshige: One Hundred Famous Views of Edo’ (1986).

Fotos:

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